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80 Eheverträge im Archiv der Kirche in Wittlohe
von Dr. Klaus Tietje
Anfang des Jahres 2007 habe ich die im Archiv der Kirche in Wittlohe unter der Signatur A 347 befindlichen Eheverträge durchgesehen und in ein Microsoft Office Programm eingegeben.
Bei einigen Eheverträgen, die von der Norm etwas abwichen, habe ich eine Zusammenfassung des Vertrages in das Original eingelegt.
Die Eheverträge waren seit langer Zeit üblich gewesen. In diesen wurde die Höhe der Mitgift, Regelungen bei Todesfall eines der zukünftigen Eheleute und auch oft der Altenteil der abgebenden Wirte geregelt. Diese Verträge mußten von dem Pastoren genehmigt werden. Denn diese hatten ein Interesse daran, dass der Hof nicht zu sehr mit hohen Mitgiften belastet wurde, um die Leistungsfähigkeit des Hofes nicht zu gefährden.
Zur Verabredung (Verhandlung über diese Eheverträge) kamen außer den Brautleuten und deren Eltern der Pastor sowie Nachbarn und Verwandte zusammen, diese unterschrieben dann auch den Vertrag. Damit waren die Brautleute verlobt.
Unter den Eheverträgen befindet sich auch Schriftstücke über eine Eheabredung 1775 zwischen Anne Engel Storch Otersen Nr.11 und Harm Storch in Grafel. Die Eheschließung wurde von Verwandten hintertrieben und von Pastor Kemna verzögert. Dieses Geschehen habe ich im Heimatkalender 2008 des Kreis Verden ausführlich dargestellt.
Ich habe in den Zusammenfassungen nur die bar gezahlten Beträge der Mitgift oder des Brautschatzes aufgeführt, die weiteren Leistungen wie Vieh, Leinen, Getreide usw. habe ich nicht aufgelistet.
Die Hausnummern, soweit ich diese aus anderen Quellen (vor allem entnommen aus den beiden Büchern von Otto Voigt: Bauernreihen im alten Amt Verden) ermitteln konnte, habe ich hinzugefügt.
Unter dem folgenden Link kann die Access Tabelle mit den Eheverträgen als Zip-Datei heruntergeladen werden:
Nach Öffnen der Zip-Datei sind dann unter der Hauptansicht > "Eheverträge" > "Datensatz bearbeiten" die Datenblätter über die Eheverträge einzusehen.
 
Meierbriefe im Archiv der Kirchengemeinde Wittlohe
von Dr. Klaus Tietje
Die Kirchengemeinde Wittlohe hütet in ihrem Archiv im Gemeindebüro im Pastorenhaus viele historische Akten aus der Zeit ab 1743. Im großen Brand 1742 in Wittlohe sind die Akten aus der Zeit davor leider verbrannt.
In einem Findbuch (Suchregister) kann man über den Inhalt des Archivs informieren.
Bei meinen familiengeschichtlichen Nachforschungen habe ich die 75 Meierbriefe von 1758 (1711) bis 1887 (zu finden unter der Signatur A 431 I und A 431 II) durchgesehen.
Die wichtigsten Daten habe ich in eine Access-Tabelle eingegeben. Die Datenblätter der Meierbriefe kann man im Internet unter dem folgendem Link zum herunterladen
 
 
Nach Öffnen der Zip-Datei mit einem Doppelklick sind dann unter der Hauptansicht > "Meierbriefe" > "Datensatz bearbeiten" die Datenblätter über die Meierbriefe einzusehen.
Die Bauern in unserer Gegend sind seit altersher nur Besitzer des Allodiums, das ist das bewegliche Gut (Vieh und Hausrat) und der Gebäude gewesen, während der Grund und Boden dem Meierherrn gehört wie hier bei uns in der Gegend der Kirche in Wittlohe, den von Behrs in Häuslingen oder der Struktur in Verden. Mit diesen Ländereien wurde jedes Mal der Sohn bzw. Schwiegersohn bemeiert von den Meierherren. Hierüber wurde eine Urkunde, der Meierbrief ausgestellt, der als sehr wichtige Besitzurkunde auf den Höfen z.T. bis heute noch aufbewahrt wird.
Aus diesen Meierbriefen können sich für Ahnenforscher wichtige Nachrichten über Vorfahren ergeben, die die nüchternen Daten aus den Kirchenbüchern lebendiger werden lassen.
Es wird in Wittlohe unterschieden zwischen den 10 Pfarrmeiern in Wittlohe, Otersen, Stemmen und 1 Meier (Hof Nr.7) in Hohenaverbergen , die ihre Abgaben dem Pastoren geben mußten und zum Lebensunterhalt des Pfarrers gedacht waren sowie den 3 Kirchenmeiern in Wittlohe und Otersen, deren Abgaben der Kirchengemeinde zum Unterhalt der Gebäude zugute kamen sowie den 2 Pfarrwitwenmeiern in Wittlohe, die ihre Abgaben an die Witwe des vorigen Pfarrer abzuliefern hatten. Die anderen Bauern in unseren Dörfern waren meierpflichtig an die von Behrs oder an die Struktur in Verden.
Es wurden auch einzelne Parzellen meierrechtlich an Bauern abgegeben, die anderen Grundherren meierrechtlich verpflichtet waren. So wurden z.B. 1786 die Halbmeier Bäßmann Otersen Nr.13 und Marquardt Otersen Nr.14 mit der sogenannten Weinwiese in der Otser Marsch bemeiert. Ihre Höfe waren meierrechtlich der Struktur in Verden pflichtig.

Die Meierbriefe der Höfe, die der Structur in Verden pflichtig waren, lagern im Kreisarchiv in Verden.
Wer Freude an der Ahnenforschung hat, kann aus den Verträgen ein lebendiges Bild über die Zeitumstände seiner Vorfahren gewinnen.
 
 
Geschichte der Kirchenbauten in der Kirchengemeinde Wittlohe

Anfang des 13. Jahrhunderts war die "Villa Wittenloge" ein Lehen des Bremer Erzbischofs in Besitz der Edlen von Hillingesvelt .
Als im Jahre 1231 Heinricus von Hillingesvelt verstarb, verzichteten seine Erben auf ihr Lehnsrecht mit der Bitte, es dem Verdener Domkapitel zu schenken..
Seitdem war ein Verdener Domherr für die Villa Wittenloge mit dem Mühlort Stemmen und seinen Bewohnern zuständig.
In alten Akten steht: " Die Kirche zue Wittelohe ist von einem Grafen zue Wittelohe fundiret in die ehre Sancti Gangolphi."
Sie wurde bereits vor 1231 im romanischen Stil als Eigenkirche erbaut.
1523 wurde die kleine Backsteinkirche von dem Verdener Domherrn Heinen von Mandelsloh im gotischen Stil erweitert und 1523 "durch fratem Christopherum, Bischofen zue Costnitz (Konstanz) und suffraganeum der stifte Brehmen und Verden in die Ehre Gangolphi und Jacobi am tage Jacobi des großen (25. Juli) solenniter consecrirt (feierlich geweiht)".Von dieser Zeit an gehört die "Villa Wittenloge" zum Domkapitel von Verden. Dies war nur möglich, weil der Erzbischof von Bremen, Gerhard von Bremen, auf sein Lehenrecht an diesem Dorf und der Kirche verzichtet hat.

Seit 1531 wurden von Vikaren Gottesdienste gehalten. Feste Prediger gab es seit der Reformation seit ca. 1567. In den Anfängen gehörten die Gemeinden Wittlohe, Stemmen, Otersen und Klein-Häuslingen zur Kirchengemeinde Wittlohe. 1825 wurde 4 Anbauern von “Hinter den Brüchen” Neddenaverbergen, 1859 der Ortsteil Lehringen von der St. Andreas Kirche in Verden und die Ortschaft Neddenaverbergen dem Kirchspiel Wittlohe zugeordnet. Infolge dieser Vergrößerung der Kirchengemeinde wurde die alte Backsteinkirche zu klein.

Durch einen Sturmes wurde die Hofstelle des Halbmeiers Hinrich Tietje derart zerstört, daß man sich entschloss, außerhalb des Dorfes eine neue Hofstelle aufzubauen. Auf der nun freigewordenen Hofstelle wurde dann die neue Kirche zu Wittlohe gebaut. Der Neubau der Kirche dauerte von 1893 bis 1894.

Die Geschichte der Kirche Wittlohe wurde 1994 in einer kleinen Broschüre dargelegt. Diese Broschüre ist in wenigen Exemplaren noch erhältlich. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an das Gemeindebüro per Telefon (04238/493) oder E-Mail (KG.Wittlohe@evlka.de).

Seit dem Jahr 1973 gehören in Folge einer kirchlichen Strukturreform die Dörfer Luttum, Hohenaverbergen und Armsen zur Kirchengemeinde Wittlohe. Bis dahin wurden diese Dörfer von St. Andreas in Verden mitversorgt. Heute stellen die Einwohner dieser drei Dörfer ca. 2/3 der Gemeindeglieder der St. Jakobi-Gemeinde (insgesamt: ca. 3300).

Aufgrund der großen Flächenausweitung der Kirchengemeinde wird der Gottesdienst an wechselnden Gottesdienstorten abgehalten: 14-tägig in der Kirche zu Wittlohe, an den anderen Sonntagen im Wechsel in den Kapellen in Luttum, Hohen, Armsen und Nedden.

Die jetzige Kirche in Wittlohe wurde erst 1894 erstellt. Bis dahin stand auf dem jetzigen Friedhofsbereich eine zweite, die ursprüngliche Kirche Wittlohes. Wir wollen Ihnen auf den folgenden Seiten die Geschichte der Kirche Wittlohe aufzeigen. Das Bild zeigt beide Kirchen, links die ursprüngliche, rechts die 1894 neu erstellte Kirche zu Wittlohe.
Die Kirche ist von 1. Mai bis 3. Oktober tagsüber zur Besichtigung und Andacht als Ort der Ruhe geöffnet. Aus diesem Anlaß wurde der Kirche Wittlohe im Mai 2000 das Signet für verlässlich geöffnete Kirchen verliehen.
Die Kirchengemeinde möchte Menschen eine Heimat im Glauben bieten, aber auch einen offenen Raum für Menschen auf dem Weg.