Andacht: Zweiter Pflanztag im St.-Jakobi-Wald, 16. November 2013

Liebe TeilnehmerInnen des zweiten Pflanztages im St.-Jakobi-Wald,

42 Gründe hatten Sie und ihr im letzten halben Jahr, um heute hier zu stehen und darauf zu warten, ihren und euren Baum gleich zu pflanzen. 42-mal Hoffnung auf eine gute Zukunft.

Allein 17 Bäume werden heute gepflanzt, weil Kinder in den letzten Monaten getauft worden sind. Sie als Eltern oder auch Großeltern können dann ja auch im Laufe der nächsten Monate und Jahre immer wieder mal mit dem Kind oder den Kindern hierher kommen, um zu sehen, was in der Zwischenzeit aus dem Baum geworden ist. So wie der Baum, so bist auch Du, Kind. Erst klein und äußerst schutzbedürftig. Später dann wird der Baum hoffentlich größer und robuster, irgendwann dann können sogar die Vögel, erst kleine und später größere kommen und ein Nest in Deinem Baum bauen. Wenn wir unsere kleinen Heister angucken, die

wir heute in die Erde setzen, dann ist das echte Zukunftsmusik

Wer einen Baum pflanzt, der gestaltet Zukunft. Wer einen Baum pflanzt, der tut etwas, von dem vor allem die Menschen nach ihm etwas davon haben. Auf jeden Fall ist es ein generationsübergreifendes Denken und Handeln. So ist es auch bei den Brautpaaren. Mit ihrer Eheschließung ist etwas begründet, von dem ihr Eheleute nicht wissen, was daraus wird. Auch da ist der gepflanzte Baum das Zeichen für die Hoffnung auf eine gute und dauerhafte gemeinsame Zukunft.

So, wie wir Menschen unterschiedlich sind, unsere unterschiedlichen Gründe und Motivation haben, hierher zu kommen und einen Baum zu pflanzen, so ist das, was das Ergebnis dessen ist, was wir tun, genau so unterschiedlich.

Jeder Baum ist ein Individuum, nicht nur, weil wir hier nach und nach einen Mischwald anlegen. Jeder Baum ist selbst unter den Vertretern ein und derselben Baumsorte anders. Sie wachsen unterschiedlich. Die setzen die Äste an unterschiedlichen Stellen an. Es ist der unterschiedliche Lichteinfall, der die Bäume sich anders entwickeln lässt. Dann ist es natürlich auch eine Frage, wo im St.-Jakobi-Wald ein Baum steht. Am Rand mehr dem Wind und Wetter preisgegeben, entwickelt ein Baum sich anders als in der Mitte des Waldstückes. Vielleicht lässt es sich auch nicht verhindern, dass der ein oder andere Baum eine Verletzung davontragen wird, die ihn auf Dauer von allen anderen unterscheidet. Wenn wir nun vom ersten kleinen Wald sprechen, dann gehören natürlich auch die 44 anderen Bäume dazu, die vor einem halben Jahr gepflanzt worden sind.

Die Bäume sollen wachsen, blühen und gedeihen. Sie sollen CO2 dauerhaft binden und Sauerstoff produzieren. Wir alle und Heinz-Dieter Wieters besonders achten darauf, dass die heute gepflanzten Bäume ihre Kinderstube überstehen, damit sie irgendwann auch spürbar CO2  aus der Luft holen. Bei dieser sorgenden Tätigkeit kommt es hoffentlich auch zu Begegnungen und Gesprächen zwischen Menschen, die ansonsten im Leben keine Berührungspunkte haben, weil sie sich hier im Jakobi-Wald gelegentlich treffen, weil sie hier jeweils nach ihrem Baum sehen, den sie am gleichen Datum gepflanzt haben. Das ist ein Nebeneffekt der Hoffnung auf die gute Zukunft.  Das Stichwort Hoffnung auf die gute Zukunft führt mich dazu, auch noch einen etwas ernsteren Text ins Feld zu führen, der deutlich macht, dass die Frage der Zukunft des blauen Planeten nicht auf die leichte Schulter genommen werden kann.

Der Biochemiker George Wald aus Cambridge, USA, hat zum Thema der Wichtigkeit der Bäume folgendes zu sagen:

Schaut Euch um … Die gesamte Welt ist ein lebender Organismus, der, allein durch das Sonnenlicht, lebensfähig ist. Und die Bäume spielen, mit allen anderen grünen Pflanzen, die zentrale Rolle in diesem Stoffwechsel, denn sie sind es, die das Sonnenlicht verwandeln und es nutzbar machen für die anderen Lebewesen. Wir Menschen und Tiere sind Parasiten: Die Pflanzen können ohne uns leben, wir aber nicht ohne sie. Alle Nahrung, die wir essen, auch die Tierische, hat zuvor bereits als Pflanze gelebt. Das Holz, das wir verbrennen, Kohle, Erdöl und Erdgas – alles stammt von Bäumen, von lebenden oder toten. Die Bäume bedeuten Leben für die Erde, heute und alle Zeit. Wenn sie sterben, werden wir sterben. Sich um die Bäume zu sorgen, heißt folglich, sich um das Leben selbst zu sorgen. Und eine Vernichtung der Bäume käme einem Akt der Selbstzerstörung gleich.

 Pastor Wilhem Timme, 16. November 2013