Andacht: Dritter Pflanztag, 29. März 2014

Liebe hier im St.-Jakobi-Wald versammelten Brüder und Schwestern,

wir pflanzen heute 17 Heister, junge Pflanzen, die zu Bäumen werden wollen und sollen. Wir pflanzen Bäume anlässlich von Taufen, Konfirmationen, Geburtstagen oder Ehejubiläen oder um überhaupt den Beginn einer Beziehung zu erinnern, bzw. zu dokumentieren.

Was wir tun, tun wir nicht, um die Welt zu retten, aber um unseren Teil dazu bei zu tragen, dass sie gerettet

werden kann.

Heute werden auch fünf Bäume gepflanzt, die für fünf Namen stehen, von Jugendlichen, die in 14 Tagen konfirmiert werden, einer für den gesamten Konfirmandenjahrgang. Hier heute einen Baum zu pflanzen, bedeutet sich zu solidarisieren, mit der Notwendigkeit etwas zu tun, um den CO2 Ausstoß in der Welt zu senken. Bäume zu pflanzen ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Sogar große Schritte wären möglich, werden aber kaum gegangen. Große Schritte sind z. B. möglich, wenn REDD praktiziert werden würde.

Was ist REDD?

REDD:Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, zu deutsch etwa „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung“[1] ist ein 2007 bei der UN-Klimakonferenz auf Bali eingeführtes Klimaschutz-instrument, das die Erhaltung großflächiger Wälder als Kohlenstoffspeicher finanziell attraktiv machen soll. Die Staatengemeinschaft geht davon aus, dass etwa ein Fünftel der weltweiten Kohlenstoffemissionen auf die Vernichtung von Wäldern zurückzuführen ist. Besonders bedeutsam für den Klimaschutz sind dabei die tropischen Regen- und Feuchtwälder, deren Kohlenstoffbilanz eine sehr hohe Speicherung gewährleistet. Aufgrund ihrer enormen Größe soll REDD jedoch auch auf die borealen Wälder der Nordhalbkugel bezogen werden.[2]

Die Grundidee von REDD sind leistungsbasierte Kompensationszahlungen für mess- und überprüfbare CO-Emissionsreduzierungen durch Waldschutz-maßnahmen, die von Nationalstaaten oder lokalen Organisationen durchgeführt werden.

Auf der Klimakonferenz auf Bali wurde 2007 der sogenannte REDD-Prozess gestartet: Über ihn soll ein Mechanismus gefunden werden, der die Entwicklung der rasant schnell voranschreitenden Entwaldung stoppt. Die Idee ist, dem im Holz gespeicherten Kohlenstoff einen ökonomischen Wert zuzuweisen. Roden würde dann in etwa dasselbe sein, wie Geldscheine verbrennen. Der Plan schien auch ökonomisch Sinn zu haben: Ein Stern-Report aus der Zeit legt dar, dass die Drosselung der weltweiten Entwaldung der kostengünstigste Weg ist, die Kohlendioxid-Emissionen zu senken.

Wie immer liegt der Teufel allerdings im Detail: Weil sich die von den Europäern dominierte Klima-Debatte immer nur um den --> Kyoto-Prozess und sein Nachfolgeregime dreht, kommt REDD faktisch nicht vom Fleck. Zwar haben Urwaldländer wie Costa Rica, Indonesien, Papua Neu-Guinea oder Brasilien in den vergangenen Jahren etliche Vorschläge bei der --> Klimarahmen-konvention der UNO für die mögliche Ausgestaltung eines REDD-Systems eingereicht. Aber auch sie sind sich nicht einig.

Ein Vorschlag ist dabei die Fonds-Lösung: Die Erhaltung des Waldes wird über einen speziellen internationalen Fonds finanziert. Die Bäume könnten dann quasi aufgekauft werden und den Menschen vor Ort ein Auskommen zum Beispiel als Ranger geben. Eine gute Möglichkeit – wenn es eine Verbindlichkeit gäbe. Zum Beispiel einen Beschluss, pro bundesdeutschen Kopf 100 Euro jährlich einzuzahlen, was allein 800 Millionen Euro mobilisieren könnte. Bislang wird aber nur über "freiwillige Fonds" debattiert, und damit haben die Entwicklungsländer keine guten Erfahrungen gemacht: Mit großem Medienrummel übergab auf einer der vergangenen Klimakonferenzen die damalige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul 40 Millionen Euro zum Waldschutz. Ein Almosen für die Entwicklungsländer: Allein die Berliner Stadtreinigung setzt jährlich das Zehnfache um.

Es gibt zum Glück aber doch Beispiele für funktionierendes REDD: Von einem konkreten Beispiel habe ich vergangene Woche erst durch die Lektüre eines neuen Brasilienbuches erfahren, ein Beispiel aus der Amazonasregion, ich zitiere:

CO2-Emittenten sollen die Bewohner des Regenwaldes für die entgangenen Einkünfte aus Unternehmungen entschädigen, die der Zerstörung des CO2 Speichers Amazonasregenwald Vorschub leisten würden. Das Surui-Carbon-Project im Gebiet der Terra Indígena Sete de Setembro des Volkes der Suruí in den Bundesländern Rondônia und Mato Grosso ist ein solches REDD-Pilotprojekt. Es wird vorläufig durch Stiftungen finanziert. Hier soll der Wald vor dem weiteren Abholzen bewahrt; bereits abgeholzte Fläche wieder aufgeforstet werden. Verschiedenen Institutionen stehen den Suruí zur Seite.

aus: Verena Meier, Brasilien Land der Gegenwart S. 224

Wenn wir nun also unsere 17 Heister gleich pflanzen, tun wir dass, indem wir an die Menschen denken, für die wir unser Bäumchen pflanzen, und auch daran, was es zu tun gibt, um die Zukunft des Lebens auf unserem Planeten auch für unsere Enkel noch zu ermöglichen.

Amen

Pastor Wilhelm Timme