Andacht zum Brückenjubiläum - Pastor Timme am 26.7.2014

Liebe Vetbachbrücken- Festgemeinde,

in der Dorfchronik Wittlohe Stemmen wird darüber berichtet, dass an der Vetbachbrücke eine zeitlang alle 10 Jahre gearbeitet wurde.  Das erste Mal 1944, nachdem der Ortsbauerführer Heirich Bockelmann eine

Beschwerde abgegeben hatte. Doch 1944 hatte man Besseres zu tun als in Wittlohe Brücken zu bauen. Die Chronisten schreiben: Zur Erneuerung des Überbaues kam man nicht mehr.

 

1954 das zweite Mal. In dem Jahr wurden 13 Eisenträger in der Brücke eingebaut. Vor 1954 war die Brücke für 3 Tonnen Gewicht zugelassen. Ab 1954 hatte sie die Lastenklasse 18.

1964 dann das dritte Mal. 1964 wurde dann am Gründlichtsen gearbeitet. Die Vetbachbrücke wurde neu

gebaut. 1964 wurde die Brücke 7 m breit, vorher hatte sie eine lichte Weite von 6,20m. 1964 kostete der Brückenneubau 112.931,00 DM.

Seit 1964 haben wir Ruhe. Die Brücke ist gebaut, allem Anschein nach gut gebaut.

50 Jahre lang konnten ihr Frost und Hitze, diverse Hochwasser und Wassermassen der Schneeschmelze nichts anhaben. Die Vethbachbrücke ist da, seit 50 Jahren. Wittlohe feiert. Ich vermute mal, dass Otersen noch viel mehr feiern müsste, denn der Hauptverkehrsweg geht ja Richtung Verden. Und dafür brauchen die Otser die Brücke, die Wittlöger nicht. Aber wenn die Wittlöger nach Otersen in den Dorfladen wollen, dann brauchen sie die Vethbachbrücke allerdings.

Neue Vethbachbrücke 1964 und die neue Vethbachbrücke 2014. Ich vermute mal, dass das durchschnittliche Verkehrsaufkommen pro Tag in den zurückliegenden 50 Jahren anders geworden ist. Die Brücke wird heute von mehr PKW´s befahren, weniger Trecker sind auf ihr unterwegs. Allerdings vermute ich auch, dass die Gewichtbelastung für die Brücke seit 1964 gestiegen ist.

Doch es ist nun nicht meine Aufgabe, lauter statistische Werte zu referieren, sondern etwas zu sagen, zu dem Thema der Überwindung von Gräben und Hindernissen. Denn das ist es, was das Leben der Menschen durch Brücken erleichtert. Brücken ermöglichen einen Zugang zu einer anderen Seite.

Wir erleben das hier in unserer Allerregion ja auch anders herum als Schwierigkeit, weil die Aller eben nur eine Brücke in Rethem hat und dann erst wieder eine in Verden. Das führt dazu, dass die Dörfer auf der anderen Allerseite fast so etwas wie Ausland für uns sind. Am Wochenende ist das dem Heimat- und Fährverein sei Dank nicht mehr ganz so dramatisch.

Doch hier und heute geht es um die Vethbachbrücke. Um dass, was sie uns seit 50 Jahren ganz selbstverständlich ermöglicht. Und zwar so selbstverständlich, dass wir es beim Passieren der Brücke meistens gar nicht wahr-nehmen, dass unter ihr ein Gewässer fließt, dass uns unsere Reispläne auch mal durcheinander bringen könnte. Ich möchte mit einem Text schließen, der ist nicht von mir. Es ist ein Gedicht mit dem Titel Brücken. Das Gedicht ist von Irmgard Adomeit. Sie spricht in dem Gedicht über Brücken allgemein. Was da gesagt wird, gilt ein bisschen auch für unsere Brücke:

 

Brücken

Brücken sind sehr interessant,
Abgründe werden überspannt.
Steh´ich davor, kann ich entscheiden,
geh´ich darüber oder will ich sie meiden.

Von manchen bin ich fasziniert,
phantastisch wie sie konstruiert,
entschließ´ich mich, darüberzugeh´n,
kann ich aus neuer Sicht alles seh´n.

Ich kann auch bleiben wo ich bin,
die Brücke verliert dann ihren Sinn.
Die Möglichkeit ist mir genommen,
Verbindung hab´ich nicht aufgenommen.

Toll wenn man eine Brücke findet,
die etwa Menschen mit Menschen verbindet
oder die zu denen führt,
die vielleicht irgendwo isoliert.

Brücken mit Spannkraft sind sehr wichtig,
Hilfsbrücken an mancher Stelle richtig.
Eine Brücke das Weltall umspannt:
"Gott, der in Christus reicht die Hand!"

© Irmgard Adomeit, 2010
Aus der Sammlung Psychologie