Andacht: Fünfter Pflanztag, 12. April 2015

Liebe Gemeinde,

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

Mit dieser Feststellung endet das aktive Schöpfungswerk Gottes, bevor er seinen Sabbat hält. Und siehe, es war sehr gut. Darauf kommt es an, liebe Gemeinde, und nicht auf die Frage ob dieses Schöpfungswerk zig Millionen von Jahre gedauert hat, oder 7 Tage. Übrigens heißt es ja sogar in der Bibel selbst: Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Ps. 90, 4

Das lässt vermuten, dass schon die Verfasser des biblischen Schöpfungsberichtes keine Schwierigkeiten mit der Evolutionstheorie gehabt hätten. Die Botschaft lautet: Gott hat die Welt sehr gut erschaffen, die er dann den Menschen anvertraut hat.

Seitdem verwaltet der Mensch, was er von Gott bekommen hat. Einige Jahrtausende lang hatte dieses Verwalten so gut wie keine Auswirkungen auf die Lebensbedingungen des blauen Planeten. Höchstens in dem Sinne, dass es dem Menschen gelang, seinen Platz in der als feindlich empfundenen Natur zu behaupten und auszubauen.

Manche Raubtiere wurden ausgerottet. Darüber herrschte Freude, weil der Lebensraum für den Menschen sicherer wurde. Aber auch mancher Wald wurde gerodet, weil die menschlichen Siedlungen wuchsen und weil deswegen der Bedarf an Ackerfläche stieg.

Zu einem wirklichen Problem ist das Verwalten der Schöpfung durch den Menschen tatsächlich erst in den letzten 50 Jahren geworden, weil die Luft, die wir weltweit atmen, erst in dieser Zeit deutlich schlechter geworden ist.

Das bedeutet, dass der Auftrag den Gott den Menschen gegeben hat, seine Schöpfung verantwortungsvoll zu bebauen und zu bewahren, auf einmal eine Bedeutung bekommen hat, die er in der Massivität zuvor Jahrtausende lang nicht hatte.

Leider ist die mangelhafte Verwaltung von Gottes Schöpfung ein Tatbestand, der von vielen Menschen und Völkern bis heute nicht wirklich ernst genommen wird.

Das ist so. Das wird sich höchstwahrscheinlich auch nicht von heute auf morgen ändern. Wir haben vor zwei Jahren damit angefangen, unseren Teil zum Gegen-steuern beizutragen, indem wir Bäume pflanzen. Jedes Jahr zweimal.

Ich hab mich mal mit den Bäumen und deren Sponsoren beschäftigt und möchte drei Bäume herausgreifen: Vielleicht ist es Zufall, vielleicht aber auch nicht - ich habe festgestellt, dass das Alter der Sponsoren nichts mit der Frage zu tun hat, wer modern eingestellt ist oder nicht. Denn Alice Meyer aus Neddenaverbergen liegt voll im Trend. Frau Meyer hat, als sie letztes Jahr 90 Jahre alt geworden ist, gesagt: Ich will einen Baum im Jakobi-Wald pflanzen. Gut, das ist noch nicht das Besondere. Besonders ist, das Alice Meyer gesagt hat: Ich möchte gerne einen Feldahorn pflanzen, denn der Feldahorn ist Baum des Jahres 2015.

Was ist der Feldahorn für ein Baum? Gut ich bin kein Förster, aber ich hab gegoogelt. Der Feld-Ahorn, ist der kleine Bruder der anderen Ahornarten wie Bergahorn und Spitzahorn.

Das Heimatareal des Feldahorn ist Mittel- und Südeuropa. Schon zu Aristoteles' Zeiten, 300 v.Chr., hat man den Feldahorn als eigene Art unterschieden, was bemerkenswert ist – da muss er wohl häufiger als heute verbreitet gewesen sein, sonst wäre er den alten Griechen nicht aufgefallen.

Der Feldahorn ist offensichtlich nicht der Größte. Fast nebenbei wird in meinem Text erwähnt, dass der bis zu 200 Jahre alt werden kann. Da ist er seinen großen Brüdern ebenbürtig.

Wo findet man ihn im Wald oder in der Landschaft? Früher in Nieder- und Mittelwäldern wegen des guten Ausschlags aus dem Stock, Stockausschlag, heute mehr an Waldrändern oder in Hecken in der Landschaft. Bisweilen werden Ahorne am Feldrand einfach als Feldahorn bezeichnet, womit aber dann gar nicht diese Baumart gemeint ist. So bin ich, schreibt der Verfasser meines Textes, zu einigen besonders dicken oder schönen Exemplaren umsonst hingefahren, da es sich dann um Spitz- oder Bergahorn an Feldrändern handelte, die als sehenswert beschrieben wurden und es auch waren, aber eben keine Feldahorne.

Besonders freuen sich die Honigmacher über ihn, denn er bietet ein reiches Angebot an Nektar. Ebenfalls besonders ist, dass dieser Baum neben Nektar auch noch Honigtau zu bieten hat. Übrigens werden bei uns heute 3 Feldahorne gepflanzt. Lion Müller und Leif Kopplin, die wir beide letzten Sonntag getauft haben, sind die anderen zwei, für die der Baum des Jahres 2015 gepflanzt wird.

Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen, heißt also nebenbei auch noch etwas über die Natur und durch sie zu lernen. So dürfen wir unseren Teil des Schöpfungsauftrages fröhlich wahrnehmen. Amen

Pastor Wilhelm Timme im April 2015