Andacht: Sechster Pflanztag, 14. November 2015

Liebe Pflanzgemeinde,

warum pflanzen wir Bäume, heute 36 an der Zahl? Weil wir Hoffnung haben! Christliche Hoffnung ist eine besondere Hoffnung, weil sie auf dem Glauben an die Welt als Schöpfung Gottes basiert. Zu christlicher Hoffnung  habe ich einen Text von 1976 gefunden, den ich als kleine Vergewisserung jetzt vortragen möchte:

In der Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde, von der im letzten Buch der Bibel die Rede ist,  kommt unser Schöpfungsglaube schließlich an sein Ziel.

Hoffnung und Schöpfungsglaube gehören untrennbar zusammen, wie zwei Seiten einer Münze. Deshalb gehört zu unserer Hoffnung die Bereitschaft, diese unsere tödliche, in sich verfeindete und leidvoll zerrissene Welt ohne Zynismus und ohne schlechte Naivität als letztlich zustimmungsfähig anzuerkennen, als verborgenen Anlass zur Dankbarkeit und zur Freude. Weil sie Gottes Schöpfung ist.

Zu unserer Hoffnung gehört also die Fähigkeit, ja zu sagen, und sogar die Bereitschaft, zu feiern und zu loben – obwohl es so viel Verneinungswürdiges gibt und obwohl keineswegs alles gut ist, so wie es ist. Die Zustimmungsbereitschaft zur Welt, die in unserer Hoffnung steckt, weil sie getragen ist vom Glauben an die Schöpfung, bedeutet keineswegs eine kritiklose Bejahung der bestehenden Verhältnisse.

Die Zustimmungsbereitschaft zur Welt als Schöpfung Gottes betreibt keine religiöse Verschleierung der Ungerechtigkeiten, die in unserer Welt tatsächlich herrschen und die das Gute der Schöpfung, das uns zu Freude und Dankbarkeit führt, oft übermächtig entstellen.

Die Zustimmungsbereitschaft zur Welt als Schöpfung Gottes macht uns vielmehr empfänglich für die Wehen der Schöpfung, für das Seufzen der Kreaturen, und diese Zustimmungskraft unserer Hoffnung kann in uns nicht bleiben, wenn wir nicht immer wieder dafür einstehen, dass auch das Leben anderer zustimmungswürdig wird und seinerseits Quelle von Dankbarkeit und Freude sein kann. Quelle

1976 war von CO2-Emission noch nicht die Rede, von Treibhausgasen, von drohender Klimakatastrophe, von Emissionseinsparprojekten auch nicht. Und doch, so finde ich sind diese Gedanken der Verbindung von Hoffnung und Schöpfungsglauben als Motivation für das, weswegen wir heute zusammengekommen sind, richtig gut geeignet. Wir sind empfänglich geworden für die Wehen der Schöpfung, wahrscheinlich noch mehr als es die Menschen 1976 waren, darum pflanzen wir wieder Bäume und tun das als Handeln für konkrete Menschen, denen wir unsere Bäume widmen. Denn wir Menschen brauchen die Bäume und das, was sie tun, zum Leben in dieser Schöpfung Gottes. Wir sind dankbar, dass wir diese Chance haben, etwas für das Morgen der Menschen zu tun. Amen

Pastor Wilhelm Timme