Andacht zum siebten Pflanztag im St.-Jakobiwald

Liebe Pflanzgemeinde,

es ist ziemlich genau drei Jahre her, dass wir im St.-Jakobiwald zum ersten Mal Bäume gepflanzt haben. Die erste von der Größe her bescheidene Pflanzfläche ist längst voll. Wir pflanzen inzwischen auf einer zweiten, weitaus größeren Fläche unsere Bäume.

Auch sonst ist es vorranggegangen. Auf der großen KiWi Konfirmandenfreizeit spielt das Thema der Bewahrung der Schöpfung mittlerweile auch eine Rolle. Martin Lönnebo, der Erfinder des Perlenbandes des Glaubens hat eine grüne Geheimnisperle in das Perlenband integriert, um das Thema Bewahrung der Schöpfung als echtes Glaubensthema auch in sein Lebenswerk zu etablieren.

Die hannoversche Landeskirche hat im Jahr 2015 das berühmte Aktenstück Nr. 38 verabschiedet. In dem wurde der Beschluss dokumentiert, dass die Bewahrung der Schöpfung kirchliche Kernaufgabe ist. Sämtliche Verkündigung wird gegenstandslos, wenn es keine Basis für das menschliche Leben, besser gesagt: Für das Leben überhaupt gibt.

In dem Aktenstück heißt es unter anderem.

Aus der Gnade Gottes, der uns diese Schöpfung zur Bebauung und Freude anvertraut hat, erwächst für uns als Landeskirche der Auftrag eines verantwortlichen und nachhaltigen Umgangs mit Natur und Lebewesen.   

Wie dieser verantwortliche und nachhaltige Umgang mit Natur und Lebewesen zu entfalten ist, dafür gibt es in dem kirchlichen Dokument Vorschläge:

Wir wollen durch unseren Lebenswandel nicht Armut, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung in anderen Regionen der Welt auslösen oder begünstigen. Daher setzen wir uns zum Ziel, mit Rohstoffen und Gütern der einen Welt verantwortungsvoll umzugehen.

Oder ganz praktisch: Das Landeskirchenamt beschließt, dass ab dem Jahr 2016 mit privatem Fahrrad zurückgelegte Dienstwege mit 10 Cent pro km erstattet werden. Oder: Die Anschaffung von bis zu 1.000 CO2-armen Dienstfahrzeugen für kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu prüfen.

Wir sind vorsichtig geworden, denn bei den ganzen Absichtserklärungen, die man so hört, ist natürlich immer wieder die Frage: Was geschieht denn wirklich? Nur so als Hinweis: Die Landeskirche Hannover hat bereits im Jahre 2007 ein Dokument zum Klimawandel herausgegeben, in dem es heißt:

Der anthropogen verursachte Klimawandel läuft unserem göttlichen Auftrag zum Bebauen und Bewahren diametral entgegen. Unsere Rolle innerhalb der Schöpfung ist die der Ebenbilder Gottes, die wie Gott erhalten und lebensdienlich schöpferisch gestalten sollen, die ihm dadurch die Ehre geben.

Allerdings wurden im Jahre 2007 noch nicht so wirklich Konsequenzen aus diesen Einsichten gezogen. Die Diskussionen um den Klimawandel, die Einsichten, Beschlüsse, Verordnungen, Papiere und auch die Rückschritte gehen in der Zukunft weiter. Der Klimawandel selbst auch. Wir pflanzen in der Zwischenzeit Bäume und beschäftigen uns mit ihnen. Das ist ja auch schon mal was. Das erschienene Buch Das geheime Leben der Bäume des Försters Peter Wohlleben steht sicher nicht umsonst in der Bestsellerliste ganz oben.     

Ich möchte das Vorwort des hochinteressanten Buches lesen, in dem er beschreibt, wie er dachte, bevor sich seine Sichtweise über die Bäume zu ändern begann. Ein hochinteressantes Buch!

 „Als ich meine berufliche Laufbahn als Förster begann, kannte ich vom geheimen Leben der Bäume ungefähr so viel wie ein Metzger von den Gefühlen der Tiere. Die moderne Forstwirtschaft produziert Holz, sprich, sie fällt Stämme und pflanzt anschließend wieder neue Setzlinge. Liest man die Fachzeitschriften, entsteht schnell der Eindruck, dass das Wohl des Waldes nur insofern interessiert, als es hinsichtlich einer optimalen Betriebsführung notwendig ist. Für den Försteralltag reicht dies auch, und allmählich verbiegt sich dabei der Blick.
Da ich täglich Hunderte von Fichten, Buchen, Eichen oder Kiefern im Hinblick darauf taxieren musste, wozu sie im Sägewerk taugen und wie hoch ihr Vermarktungswert ist, wurde meine Wahrnehmung auf dieses Sichtfeld eingeengt".

So lohnt es sich mit dem einen Baum zu befassen, der vielleicht Ihr Grund ist, dass Sie heute in den St.-Jakobi-Wald gekommen sind. Pastor Wilhelm Timme am 17. April 2016