Geistlicher Impuls zur Eröffnungsfeier der Klamottenkiste in Wittlohe

Liebe Initiatorinnen der Klamottenkiste, Unterstützer_innen des Projektes und Gäste der kleinen Feierstunde!

Das etwas andere Bekleidungshaus wird heute eröffnet. So stand es gestern in der Zeitung zu lesen. Dazu sind Sie seid ihr als Gäste gekommen. Das freut mich. Bekleidungshaus bringt ja schließlich etwas anderes zum Ausdruck als Grabbeltisch. Bekleidung hat etwas mit der Würde eines Menschen zu tun. Hatte es schon immer. Nicht umsonst sagt Jesus in seiner Rede vom Weltgericht unter anderem Folgendes:

 „Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet". Matthäus 25, 35 – 36

Das bedeutet, Jesus sagt: Ich hatte meine Würde verloren und ihr habt sie mir zurückgegeben. Dabei mithelfen zu dürfen, liebe Schwestern und Brüder, Menschen ihre Würde zurückzugeben, ist eine einmalig große Sache. Das Ganze eine Nummer kleiner ist auch schon viel wert: Dabei mitzuhelfen, dass Menschen ihre Würde erst gar nicht verlieren, ist für unser Zusammenleben insgesamt gut. Vielleicht nicht unbedingt für die Psychotherapeuten, aber für den Menschen auf der Straße unbedingt.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ist das erste und wichtigste Gesetz in Deutschland. Zum Schutz der Würde des Menschen haben die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 in New York die Erklärung der Menschenrechte ohne Gegenstimme angenommen. Innerhalb der 30 Artikel der Menschenrechte geht es nicht nur um so dramatische Themen, wie die Abschaffung der Sklaverei und das Verbot der Anwendung von Folter, sondern, was in unserem Zusammenhang heute ein Thema ist, auf das es sich lohnt hinzuweisen, ist das es auch bei den Menschenrechten unter anderem um die Kleidung geht.

Ich zitiere aus den Menschenrechten Artikel 25: Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.

Von Jesus bis zu den Menschenrechten. Kleidung ist Ausdruck der Würde des Menschen. Ich freue mich darüber, dass genau in diesem Zusammenhang hier bei uns im kleinen Wittlohe die Klamottenkiste ihre Pforten öffnet, um einen Beitrag dafür zu leisten, dass Menschen ihre Würde behalten. Teil der Würde ist es auf der anderen Seite auch, etwas zurückzugeben. Darum ist jeder und jede, der in der Klamottenkiste etwas für sich entdeckt, aufgerufen dafür eine nach eigenem Ermessen geeignete Spende da zu lassen.

Gebet: Herr Jesus Christus, aus Deinem Mund haben wir den Satz gehört: Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Wir müssen feststellen, dass wir in einer Welt leben, in der wir nicht bis nach Afrika reisen müssen, um Menschen zu kleiden, die in Not sind. Hier in unserer Mitte leben Menschen, die unsere Hilfe brauchen, um ihre Würde behalten zu können. Lass uns unseren Teil dazu beitragen, damit genau das gelingt: Das Menschen die Würde des Menschseins nicht verlieren oder sie wieder zurück erlangen. Wir danken dir Herr, dass Du dieses Werk der Klamottenkiste mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Hände hast gelingen lassen, so dass wir heute ihre Eröffnung feiern können.

Wir bitten Dich: Lass diejenigen, die die Arbeit tun, damit die Klamottenkiste immer wieder ihre Pforten öffnen kann, das tun in dem Bewusstsein, damit am Bau deines Reiches in unserer Mitte mitwirken zu dürfen. Amen

Pastor Wilhelm Timme, 4. Juni 2016