Konfirmandenprojekt rund um den Volkstrauertag

„Erinnern heißt Hinschauen“Georg Heise, Joshua Moritz, Emelie Rosebrock-Heemsoth und Kyra Klaft (von links) bringen die Kriegsgräber in Hohenaverbergen auf Vordermann. Die Arbeit war Teil eines groß angelegten Konfirmandenprojekts rund um den Volkstrauertag.

Georg Heise, Joshua Moritz, Emelie Rosebrock-Heemsoth und Kyra Klaft (von links) bringen die Kriegsgräber in Hohenaverbergen auf Vordermann. Die Arbeit war Teil eines groß angelegten Konfirmandenprojekts rund um den Volkstrauertag (Foto links).

Ausgestattet mit allerlei Gartengerät, Besen und Putzmitteln

machten sich Emelie, Kyra, Joshua und Georg an die Arbeit. Die Konfirmanden pflegten die Kriegsgräber auf dem Friedhof in Hohenaverbergen. Dazu gehörte die Säuberung der Grabsteine und Wege sowie das Beschneiden der Pflanzen.

Im Vorfeld hatten ältere Jugendliche aus dem Dorf den Konfirmanden aus der Ortschronik vorgelesen und ihnen erklärt, wer in den Kriegsgräbern beigesetzt wurde. „Ich fand das interessant, weil ich so etwas über den geschichtlichen Hintergrund erfahren habe“, sagte Georg hinterher.

„Das Erinnern des sinnlosen Mordens macht Sinn – als Warnung für die Menschen von heute“, ist dieses Konfirmandenprojekt der St.-Jakobi-Gemeinde überschrieben, das es seit einigen Jahren gibt. Pastor Wilhelm Timme freut sich, dass es bei den Jugendlichen gut ankommt.

„Wir beschäftigen uns schon länger mit dem Thema der Volkstrauertage. Wie sollen diese aussehen, wenn es irgendwann niemanden mehr gibt, der sich noch an den Krieg erinnern kann?“ Deswegen habe man versucht, eigene Wege zu finden, die Jugendlichen an das Thema heranzuführen.

Besuche der Kriegsgräberstätte in Otersen sowie der beiden Fliegergräber in Stemmen und im Dalsch stehen für die Konfirmanden auf dem Programm. „Wenn sie dann an den Gräbern vorbeigehen, die Namen lesen, die ihnen vielleicht bekannt vorkommen – und dann auch die Lebens- und Todesdaten, dann passiert etwas bei den Jugendlichen. Dann rechnen sie nach und stellen fest: ‚Hey, der war ja kaum älter als ich!‘ Und dann kommt die Betroffenheit. Und dann kommen Fragen auf. Erinnern heißt Hinschauen.“

Timme ist überzeugt, dass dieser Prozess für die Jugendlichen wichtig ist. „Die Themen Abschied und Trauer werden in den Familien heute oft nicht mehr angesprochen, weil Eltern glauben, ihren Kindern das nicht zumuten zu können.“ Die Gefühle, die bei dem Projekt hochkommen, sollen die Konfirmanden nicht für sich behalten. Am Volkstrauertag bereichern sie die Gottesdienste in den Ortschaften und berichten von ihren Erlebnissen.

Eine freiwillige Tagesfahrt nach Bergen-Belsen, an der die Hälfte des Konfirmandenjahrgangs teilnahm, vertiefte das Thema noch weiter. Eine kleine Gruppe Jugendlicher besuchte außerdem Zeitzeugen aus der Ortschaft, interviewte diese und nahm die Gespräche auf Video auf.

Das „Konfirmandenpraktikum“ auf dem Friedhof in Hohen gehörte ebenfalls zu dem Wittloher Erinnerungsprojekt. „Es hat den Jugendlichen sichtlich gefallen“, so Birgit Söhn, Ortsvorsteherin. Während ihrer Arbeit an den Gräbern begegneten die Konfirmanden einer Friedhofsbesucherin. Teilnehmer Georg Heise erzählt: „Sie berichtete uns, dass nach Ende des Krieges die Mutter des Soldaten Erhard Krüger, der kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges gefallen war, jedes Jahr ihren Sommer in Hohenaverbergen verbrachte, um beim Grab ihres einzigen Sohnes zu sein.“ Das habe die Konfirmanden sehr berührt.

Brigit Söhn freut sich über die Hilfe auf dem Friedhof: „Die Jugendlichen wollen nächstes Jahr wiederkommen. Das ist toll. Es gibt schließlich immer etwas zu tun.“ rei  © Mediengruppe Kreiszeitung 29.10.2014