Neues aus der Kiwi-Region im Juli 2015

Die  St.-Petri-Gemeinde organisieren ihr Kirchenleben ohne Pastorin

Knapp zwei Monate ist es her, dass die Pastorin Anja Niehoff ihren Abschied von der St.-Petri-Gemeinde in Kirchlinteln feierte. Seitdem steht man hier ohne Geistlichen da. „Die Wehmutsphase haben wir mittlerweile überwunden“, sagt Birgit Ritz, Mitglied des Kirchenvorstandes, aber voller Selbstbewusstsein. Dem Wehmut sei mittlerweile Tatendrang und Aufbruchsstimmung gefolgt. Und das,

obwohl keiner in der Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt weiß, wie es weitergeht. Ein neuer Pastor ist bisher nämlich noch nicht in Sicht.

„Natürlich hinterlässt eine Pastorin, die geht, erst einmal eine Lücke“, sagt Nina Kruse, ebenfalls Mitglied im Kirchenvorstand. „Wir hatten die Gemeindearbeit allerdings auch vorher schon ganz gut auf mehreren Schultern verteilt.“ Acht Mitglieder gibt es im Kirchenvorstand der Gemeinde. „Einer ist zum Beispiel für die Finanzen, ein anderer für die Feste und der nächste für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich“, sagt Kruse. Dennoch: Die Verantwortung sei natürlich gestiegen. „Wir müssen erst einmal lernen, alles selbstständig zu entscheiden und uns nicht immer auf die Pastorin im Hintergrund zu verlassen.“

Unterstützung durch Ehrenamtliche

Eine Herausforderung, der sich aber alle stellen wollten. „Viele ehrenamtliche Helfer haben noch zusätzliche Aufgaben übernommen, um uns als Kirchenvorstand zu entlasten“, so Kruse. Und Ehrenamtliche hat die Gemeinde viele – im Schnitt etwa 150. Für die Gottesdienste seien momentan Pastoren aus dem ganzen Landkreis verantwortlich. „Es gibt einen Dienstplan, wann welcher Pastor zuständig ist.“ Pastor Wilhelm Timme aus Wittlohe ist offizieller Vertretungspastor. Gewünscht habe man sich von Seite der Gemeinde , dass für die Übergangszeit ein pensionierter Pastor alleine für die Gemeinde zuständig gewesen wäre, „Das war aber leider nicht möglich“, sagt Kruse.

Sechs Jahre lang war Pastorin Anja Niehoff für die St.-Petri-Gemeinde zuständig. Mittlerweile arbeitet sie als theologische Mitarbeiterin im Evangelischen Bildungszentrum. „Die Jahre mit ihr waren eine sehr prägende und intensive Zeit“, sagt Ritz. Nun müsse man eben als Gemeinde und Kirchenvorstand noch ein bisschen mehr zusammenwachsen, um das Gemeindeleben weiterhin gut zu organisieren.

Und so können Ritz und die anderen Mitglieder des Kirchenvorstandes der momentanen Übergangssituation durchaus auch etwas Positives abgewinnen. „Ich denke, dass so eine Pastoren-Pause einer Gemeinde auch gut tun kann“, sagt Ritz. „Jeden Nachfolger, der direkt auf Anja Niehoff gefolgt wäre, hätte man zu sehr mit ihr verglichen.“ So schwierig die Organisation also manchmal auch ist, es sei wichtig, eine solche Phase zu haben.

Wie lange diese „Phase“ dauern wird, weiß indes noch keiner so genau. „Die Entscheidung über einen Nachfolger fällt die Landeskirche“, sagt Kruse. Gibt es keine Bewerber, werde irgendwann ein Nachfolger bestimmt. „Wenn die Suche nach einem neuen Pastor länger dauert, dann ist das eben so“, sagt Ritz. Niehoff sei eine „Ausnahmepastorin“ gewesen. „Wir merken aber jetzt, dass unsere Gemeinde auch ohne sie funktioniert“, so Kruse. „Kirchengemeinde ist das, was hier im Ort ist. Eine Pastorin geht, aber die Gemeinde bleibt.“

An einer Stelle fehle ein Pastor aber dennoch: bei der Seelsorge. „Die bleibt in der Tat in jüngster Zeit etwas auf der Strecke“, sagt Kruse. In diesem Bereich merke man am meisten, was der Gemeinde momentan fehle. „Unsere Besuchsdienst-Gruppe versucht viel von dem aufzufangen, aber das ist natürlich schwierig.“ Dennoch würden alle ihr Bestes geben, um auch diese Situation zu bewerkstelligen.

Vorstellungen, wie der neue Pastor sein sollte, haben Ritz und die anderen indes nicht. „Wichtig ist, denke ich, dass beide Seite sich offen gegenübertreten. „Der Nachfolger sollte honorieren, was hier vor Ort bereits erreicht wurde, und wir müssen offen dafür sein, was er Neues mitbringt.“   Elina Hoepken 30.06.2015