Konfirmandentag zum Volkstrauertag

Seit einigen Jahren beschäftigen wir uns im Hinblick auf den Volkstrauertag im Konfirmandenunterricht (KU) mit dem Thema

 „Das Erinnern des sinnlosen Mordens macht Sinn!“

Dieses schwere Thema gehen wir auf vielfältige Weise an. Wir bieten ein Vorbereitungstreffen und eine Fahrt nach Bergen-Belsen an. Die Teilnahme ist für die Konfirmanden freiwillig, aber es gibt immer viele Anmeldungen. In diesem Jahr waren erstmalig auch Konfis aus Kirchlinteln sowie Pastorin Merle Oswich dabei.

 Am eigentlichen KU-Tag beschäftigen wir uns mit dem, was die Jugendlichen aus der der Familie wissen und von Zeitzeugen gehört haben. Im Anschluss besuchen wir Orte der Erinnerung in unserer Kirchengemeinde, wie die Absturzstelle in Stemmen, den Gedenkstein auf dem Friedhof in Armsen und das Ehrenmal in Otersen.

Mit acht Konfirmanden haben wir uns intensiver mit dem Gedenkstein sowie die Kinderbewahranstalt beschäftigt. Sie befand sich in einem alten Schweinestall. Die Bedingungen, unter denen die Zwangsarbeiterinnen ihre Kinder gebären und in der Kinderbewahranstalt zurücklassen mussten, versuchten wir anhand von Skizzen und Berichten deutlich zu machen. Für die jungen Leute war es nur schwer vorstellbar und aushaltbar, das Säuglinge in solch desolaten Zuständen leben mussten und dadurch zwangsläufig starben. Mit dem Anzünden einer Kerze verließen wir den Friedhof.

In der Auseinandersetzung mit all diesen schweren Themen kommt auch immer wieder die Frage auf: Wie konnte all das geschehen?

Um dies besser verstehen zu können, sahen wir uns den Film „Die Welle“ aus dem Jahr 1981 an. Hier wird dargestellt, wie ein Lehrer eine normale Schulklasse in eine autoritär geführte Gemeinschaft verwandelt und das in nur zwei Wochen. Dieses Experiment hat die Konfirmanden sehr erschreckt. In den Gesprächen und Berichten im Anschluss wurde deutlich, dass die Konfis sich vorstellten, wie sie selber gehandelt sowie die Kraft gehabt hätten, sich gegen das System zu stellen. Manch einer hatte da seine Zweifel.

Auf diese Weise wird immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, sich an diese dunkle Zeit zu erinnern. Wir haben die Verpflichtung uns zu erinnern, zu informieren und aus der Geschichte zu lernen. Es ist leicht zu urteilen, aber um ein Vielfaches schwerer zu versuchen zu verstehen. Mit den Heranwachsenden machen wir uns immer wieder auf diesen Weg des Erinnerns und Verstehens. Jeder Tod durch Krieg oder Gewalttat ist sinnlos, doch das Erinnern daran macht Sinn. Im Oktober 2016 - Anke Wieters -