Geschichtliches Wittloher Friedhof

Der Wittloher Friedhof ist einer von 3 Begräbnisstätten aus der Gemeinde Kirchlinteln der Kircheneigentum ist, während 14 Friedhöfe kommunal verwaltet werden.

Angelegt wurde er nach dem die erste Kirche, ab 1231 auf einer großen Felsplatte errichtet worden war. Nach ihrer Fertigstellung wurde der große Hof um das Gebäude als Begräbnisstätte geweiht und genutzt. Damit fiel der Kirche die Sorge für den Begräbnisort und die übrigen, mit der Bestattung zusammenhängenden Angelegenheiten zu. Eine besondere Bedeutung nahmen auf dem Friedhof die Grabsteine ein, die eine heimatliche Kulturgeschichte dokumentieren. Bei den älteren Grabmalen handelt es sich vorwiegend um Gruftplatten. Erst nach 1600 kennt man im norddeutschen Raum aufrecht stehende Grabsteine, sogenannte Stelen, die vorwiegend aus Obernkirchener Sandstein gefertigt wurden (der Obernkirchener Sandstein ist nach dem Ort Obernkirchen am Bückeberg in Norddeutschland benannt. Der dort gebrochene Sandstein wird auch Bückebergsandstein und Bremer Stein genannt).

Geht man in stiller Betrachtung über den Friedhof so erkennt man, wie viel Aussagekraft die Grabstellen haben. Sie künden von Glaubensstärke und Frömmigkeit der Verstorbenen oder von langem Leiden und großem Unglück, das über die Familien kam. Durch diese zum Teil historisch wertvollen Inschriften werden einige Grabmale zu wahren Kunstschätzen. Bis etwa 1880 wurden alle Grabmale handwerklich gefertigt, erst danach setzte die maschinelle Bearbeitung auch anderen Materials ein.

In der Zeit um 1850 hatte die Kirchengemeinde als Platzbedarf für jede Hofstelle 8 Plätze und für die Neu- und Anbauer je 4 Plätze vorgesehen. Häuslinge (Gesinde) erhielten z. T. Reihengräber. Aus alten Friedhofsakten geht hervor, dass der Pastor, der Küster und der Kantor für Beerdigungen sogenannte Leichengebühren erhielten. Diese waren ein wesentlicher Teil ihrer Einkünfte. So erhielten der Prediger eine Gebühr von 1 Thaler und 6 Groschen, für den Küster 8 gute Groschen und der Kantor erhielt 11 gute Groschen. Wurde von den Leidtragenden eine Rede am Grab gewünscht, so bekam der Prediger noch 1 Thaler mehr. Inzwischen gelten diese alten Satzungen ja nicht mehr, aber es sollte uns immer deutlich sein, dass der Friedhof auch in unserer Zeit ein Gemeinschaftswerk für Generationen ist. Damit hat jeder Bürger einen ganz persönlichen Anteil daran, dass diese Stätte des Friedens auch ein Stück Entwicklungs- und Zeitgeschichte widerspiegelt.