Andacht: Vierter Pflanztag im St.-Jakobi-Wald, 15. November 2015

Guten Tag, liebe Jakobi-Wald-Gemeinde,

ich begrüße Sie zum vierten Pflanztag. Heute beginnen wir mit dem Bäumepflanzen auf der zweiten Fläche des Jakobiwaldes. Diese Fläche, knapp 1 ha groß, soll uns nun etwas länger vorhalten, um der Hoffnung auf die Zukunft Ausdruck zu verleihen.

Die Bäume geben unserer Hoffnung symbolischen Ausdruck auf ein gutes Morgen. Darum pflanzen wir hier nicht 500 Bäume auf einmal, sondern immer nur einen Baum:

- einen Baum für unser Kind, das getauft worden ist

- einen Baum als Freude über meinen 80. Geburtstag, den ich in diesem Jahr feiern durfte

- einen Baum, weil ich mit meinem Lebenspartner vor den Traualtar getreten bin

- einen Baum, weil wir in diesem Jahr die 50. Wiederkehr unserer Eheschließung feiern

- einen Baum für den Menschen, der in diesem Jahr von uns gegangen ist

44 gute Gründe für 44 Bäume, die heute am 4. Pflanztag hier gepflanzt werden, als Zeichen der Hoffnung

für das Leben auf Erden.

Schon die Menschen, die lange vor uns lebten, haben sich darüber Gedanken gemacht. Manchmal können wir uns das gar nicht vorstellen und glauben, dass die Menschen, die vor langer Zeit lebten, einfach nur primitiv waren. So nach dem Motto: Wer noch nicht einmal weiß, wozu eine Zahnbürste da ist, wozu man eine Toilettenbürste benutzt und warum man sein Handyladegerät besser nicht verliert, der kann nur primitiv sein.

Doch wenn man die Texte liest, die Menschen geschrieben haben, die all das eben nicht wussten, dann wundert man sich.

Obwohl die Menschen damals sehr viel mehr damit zu tun hatten, dafür zu sorgen, dass sie überhaupt leben und überleben konnten, dachten sie über das Leben auf der Erde nach. Über sich als Menschen im Vergleich zu den anderen Lebewesen unseres Planeten und über die Verantwortung, die der Mensch für das Leben auf Erden hat und woher diese Verantwortung kommen könnte. Sie sind damals drauf gekommen, dass das alles nicht zufällig so sein kann. Diesen Nicht-Zufall, den nannten sie Gott. Der Nicht-Zufall hat sich den Menschen ausgeguckt, damit das Leben auf Erden weitergeht.

Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, das er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten. 1. Mose 2, 15-16

Ich frage mich manchmal, liebe Baumsponsoren: wer ist eigentlich primitiv? Nein, das frage ich mich in Wirklichkeit nicht. Seitdem ich als Jugendlicher zum ersten Mal etwas über die Rede von Häuptling Seattle hörte, die er 1855 gehalten hat, beeindruckt mich etwas anderes. Seattle sagte: "Ich bin ein Wilder und verstehe es nicht anders. Ich habe tausend verrottende Büffel gesehen, vom weißen Mann zurückgelassen – erschossen aus einem vorüberfahrenden Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am Leben zu bleiben".

Der angeblich zivilisierte Mensch hat schon vor langer Zeit das Ehrgefühl vor dem Leben verloren. Das ist in höchstem Maße gefährlich. Der Mensch geht über Leichen, nicht über die von Tausenden von Büffeln. Aber daran denken wir morgen. Zum Schluss geht der Mensch über seine eigene Leiche, denn nichts anders ist die Klimakatastrophe, auf die wir zusteuern. Immerhin haben ja inzwischen sogar die USA begriffen, dass der Klimawandel ein reales Problem ist. Das hat ja diese Woche Barak Obama erst wieder eingeräumt. Der will nun auch die Chinesen dazu bewegen, etwas gegen die drohende Klimakatastrophe zu unternehmen, ab 2030 wollen die damit anfangen. 2030, in 16 Jahren sind unsere Bäume hoffentlich schon ganz schön groß. Auf das Handeln der Politiker können wir nicht warten. Darum freue ich mich, dass wir heute zum 4. Mal Bäume pflanzen, um ein bisschen mehr Luft zum Atmen zu bekommen.

Zum Schluss möchte ich ein paar Sätze von zwei Personen vorlesen, die sich gefragt haben:

"Warum pflanzen wir einen Baum im St.-Jakobi-Wald?"

Bei uns war der Anlass die Goldene Hochzeit, die wir im Mai 2014 bei guter Gesundheit feiern durften. Das ist nicht selbstverständlich. Wir sind froh und dankbar dafür, dass es uns vergönnt war. Unsere Freude darüber wollten wir irgendwie festhalten. Einen Baum zu pflanzen, als bleibende Erinnerung und als Zeichen der Dankbarkeit, schien uns aus diesem Anlass passend.

Wir entschieden uns für die Buche. Die Buche steht für Wohlergehen, das wünschen wir uns, aber auch den kleinen Bäumchen, die sich hoffentlich zu kräftigen Bäumen entwickeln werden.

Wir hoffen, dass unsere Buchen in friedlichen Zeiten heranwachsen können und später zu einem Teil des St.-Jakobi-Waldes werden, der den Menschen, als Ort der Stille, Erholung vom Alltag bieten kann. (Henny & Friedemann Heemsoth)
 
                                                                      Pastor Wilhelm Timme am 15. November 2014