Das Projekt der Zeitgeschichtlichen Werkstatt im Kapitelhaus

Das mit LEADER-Mitteln geförderte Kapitelhaus-Projekt in WittloheKapitelhaus 01

Ausgangslage/Anlass

Das Ziel der Arbeit der zeitgeschichtlichen Werkstatt im Kapitelhaus ist es, zu dokumentieren, wie Lokalgeschichte des gesamten 20. Jahrhunderts in der Region Kirchlinteln verbunden war mit den überregionalen historischen Strömungen der damaligen Zeit, und es dabei trotzdem lokale Besonderheiten gegeben hat.

Diese Arbeit wird ermöglicht, durch das Sammeln historischen Materials aus dem gesamten 20. Jahrhundert. Dieses Material muss dann zunächst durchforstet, aufgearbeitet und nicht zuletzt überhaupt erst lesbar gemacht werden. Diese konkrete Arbeit z. B. des Übersetzens der Dokumente von Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Sütterlinschrift geschieht überwiegend durch Konfirmanden und Jugendliche in Zusammenarbeit mit den älteren und interessierten Erwachsenen, möglichst auch noch mit lebenden Zeitzeugen. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden in wechselnden Ausstellungen der interessierten Öffentlichkeit im Kapitelhaus der St. Jakobi-Kirchengemeinde Wittlohe zugänglich gemacht. Darüber hinaus können einzelne Arbeitsergebnisse auch an anderen Orten, wie z.B. in Schulen der gesamten Region des Aller-Leine-Tales, ausgestellt werden.

Die Erinnerungsarbeit hat primär das Ziel, durch die Vergegenwärtigung der Zustände in der schwächelnden Demokratie der Weimarer Republik und das Entstehen der Nazi-Diktatur in Deutschland 1933, aus diesen Erfahrungen zu lernen und ähnlichen Strömungen in der Gegenwart entschlossen entgegen zu arbeiten. Diese Form von Geschichtsarbeit in der Erinnerungskultur ist als aktive Friedensarbeit konzipiert. Es sind auch Kooperationsprojekte in diesem Zusammenhang im Geschichtsunterricht mit der Oberschule in Kirchlinteln, sowie den Gymnasien in Verden verabredet. Zudem wird Kontakt zur Heinrich-Christoph-Londy Schule in Rethem/Aller hergestellt. Für diese pädagogisch anspruchsvolle Geschichtsarbeit mit Konfirmanden, Schülern und Jugendlichen ist eine technische Grundausrüstung für das Erforschen sowie für die entsprechende Darstellung der Arbeitsergebnisse in Form einer Ausstellung erforderlich.

Die Erinnerungsarbeit der zeitgeschichtlichen Werkstatt wirkt sich auf die Region rund um Kirchlinteln, die umliegenden Regionen und darüber hinaus in die weiter entfernt liegenden Regionen aus. Für eine lebendige Erinnerungsarbeit werden Zeitzeugen in die Arbeit der zeitgeschichtlichen Werkstatt integriert. So ist es ein konkretes Ziel, die Volkstrauertagskultur vor dem Aussterben zu bewahren. Weitere Ziele sind: Regionale Gedenktage zu reflektieren und in das Gesamtgeschehen der Erinnerung einzubeziehen. Ein Beispiel für den überregionalen Bezug dieser konkreten Erinnerungskultur ist das Fliegergrab des deutschen Soldaten Heinz Schrader in Stemmen. Dieses Fliegergrab wirkt bis in den Nachbarkreis Heidekreis hinein. Für die Pflege dieser Kriegsgräberstätte steht die Reservistenkameradschaft aus Bad Fallingbostel. An der jährlichen Feier des Erinnerungstages am Fliegergrab in Stemmen nahmen bis zu ihrem Abzug auch stets der Militärgeistliche der in Bad Fallingbostel stationierten britischen Truppen und eine Abordnung des dortigen Reservistenverbandes teil. Dieses Fliegergrab aus dem II. Weltkrieg gehört zur konkreten Erinnerungskultur der Gemeinde Kirchlinteln, deren Fäden im Kapitelhaus zusammenlaufen und die ihre Bedeutung insgesamt im Aller-Leine-Tal hat. Eine Verbindung besteht auch im Zusammenhang der Erinnerungskultur in Rethem/Aller im Blick auf die Allerüberquerung der britischen Truppen dort im April 1945. Die Aufnahme weiterer Gedenkstätten ist möglich.

Ziele

Um dem Zweck einer zeitgeschichtlichen Werkstatt mit Museumscharakter für die gesamte Region gerecht werden zu können, sind einige bauliche Maßnahmen erforderlich, damit das älteste säkulare Gebäude im Landkreis Verden – nach der Einschätzung von Fachleuten im 13. Jahrhundert erbaut -  den Ansprüchen musealen Darstellens und Ausstellens genügen kann. Das Obergeschoss des Kapitelhauses ist bisher überhaupt nicht nutzbar. Um es für die Arbeit der zeitgeschichtlichen Werkstatt nutzbar zu machen, sind die angedachten baulichen Maßnahmen erforderlich. Nur so können die Jugendlichen auch das Obergeschoss zur Forschungsarbeit nutzen. Das Konzept und Skizzen zur Sanierung des Kapitelhauses sowie zur Errichtung der zeitgeschichtlichen Werkstatt mit Ausstellungssystem liegen dem Projektsteckbrief bei.

Durch die Entstehung der beschriebenen Infrastruktur im Kapitelhaus lassen sich Ideen bzw. Projekte umsetzen, die aufgrund der fehlenden Infrastruktur bisher nicht möglich waren.

  • Weitere Gedenkorte können in die Kartei der zeitgeschichtlichen Werkstatt aufgenommen werden und dank des entsprechenden Equipments bearbeitet und präsentiert werden.
  • Die erarbeiteten Ausstellungen werden im Kapitelhaus selbst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht oder den Kooperationspartnern wie z.B. den Schulen für eine gewisse Zeit zur Verfügung gestellt.
  • Die Arbeit der Zeitzeugeninterviews, die momentan nur im Raum Kirchlinteln durchgeführt wird, kann zukünftig problemlos auf die Region des Aller-Leine-Tales ausgedehnt werden.
  • Die Zeitgeschichtliche Werkstatt möchte außerdem Angebote, Unterrichtsbausteine und ähnliches für mögliche Kooperationspartner, wie z. B. Schulen und Kirchengemeinden in der gesamten Region des Aller-Leine-Tales anbieten.

Projektbausteine

Nutzung des Kapitelhauses im Zusammenhang der Zeitgeschichtlichen Werkstatt:

  1. A) als Dokumentationszentrum der Geschehnisse an den unterschiedlichen Gedenkorten in der Gemeinde Kirchlinteln mit Wirkung in das Aller-Leine-Tal und andere Regionen
  2. B) als Sammelstätte von historischen Materialien, wie Briefen, Tagebüchern, Texten, Fotos, die der zeitgeschichtlichen Werkstatt zur Verfügung gestellt werden
  3. C) als Ort für temporäre museale Ausstellungen von Arbeitsergebnissen der Forschung vor allem der Jugendlichen und Konfirmanden, aber auch der Schüler aus Kirchlinteln, Verden oder aus Rethem/Aller für lokale Besucher und Touristen.

Um die oben genannte Nutzung des Kapitelhauses möglich zu machen, ist Folgendes geplant:

  • Sanierung des Kapitelhauses

Einrichtung einer zeitgeschichtlichen Werkstatt mit Ausstellungssystem

Förderung durch LeaderDas Projekt wird mit EU-Mitteln gefördert laut Zuwendungsbescheid Nr. 20314 vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg vom 17.10.2017. Darüber freuen wir uns sehr und sind Frau Hoferer von der ArL Außenstelle Verden für die professionelle Begleitung durch das ArL in der Realisierungsphase des Projektes ausgesprochen dankbar.

Weitere Informationen über mögliche Projektförderungen durch EU-Mittel finden Sie unter: www.eler.niedersachsen.de